Anthroposophie

 Einführung in die Anthroposophie

Die Anthroposophie zieht auf Grund ihres ganzheitlichen Menschenbildes neben den physischen Aspekten von Gesundheit und Krankheit auch die seelischen und geistigen Bereiche des Menschen mit ein. 
Sie behandelt nicht nur erkrankte "Teile" eines Patienten, sondern berücksichtigt den ganzen Menschen in seiner leiblichen, psychischen, geistigen und biographischen Situation. 
Sie geht nicht allein den Befunden nach, sondern auch der Befindlichkeit des Erkrankten. 

Insofern ist anthroposophische Medizin nicht eine "alternative" Medizin, sondern eine Erweiterung der "klassischen" Medizin. Sie wurde mit ihren Untersuchungs- und Behandlungsmethoden sowie ihrer Pharmazie zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Rudolf Steiner und der Ärztin Ita Wegman entwickelt.

Die anthroposophische Medizin geht davon aus, dass jeder Mensch mit seinem Körper, seiner Seele und seinem Ich-Bewusstsein ein dreigegliedertes System funktioneller Bereiche in sich trägt: 
· das Sinnes-Nerven-System als Grundlage des Denkens 
  und des Wachbewusstseins; 
· das rhythmische System von Kreislauf und Atmung als 
  Grundlage von Fühlen und als Ort des Traumbewusstseins und 
· das Stoffwechsel-Gliedmassen-System als Grundlage 
  des Wollens und Ort des Unterbewussten.

Anthroposophische orientierte Ärzte sehen die Ursachen für Krankheit nicht nur von aussen, sondern auch in der Konstitution bzw. der inneren Krankheitsanlage des Patienten begründet. Sie beachten bei der Therapie auch die aktiven Leistungen des inneren Organismus, seine Selbstheilungskräfte. Wo Therapien der Schulmedizin notwendig erscheinen, werden sie eingesetzt. Darüber hinaus arbeitet man mit den Mitteln der Naturheilkunde, der künstlerischen Therapien (Plastisch-Therapeutisches Gestalten, Maltherapie, Musiktherapie, Sprachgestaltung) und der Bewegungs-therapie (Heileurythmie).


Arzneimittel in der anthroposophischen Medizin

Ausgangsstoffe für die anthroposophischen Arzneimittel sind mineralische, pflanzliche, metallische und tierische Substanzen. 
Typische mineralische Substanzen sind zum Beispiel Quarz, Schwefel oder Kalk. Bekannte Heilpflanzen sind Arnika, gelber Enzian und Kamille. 
Bei Metallen kommen häufig Gold, Silber Eisen und Zinn zum Einsatz, zu den tierischen Ausgangsstoffen gehören Insektengifte (von Biene, Hornisse, Ameise), sowie Organextrakte von Säugetieren ( Leber, Thymusdrüse, Nieren, Nerven). 
Darüber hinaus gibt es einzelne anthroposophische Besonderheiten – zum Beispiel Metallspiegel oder Tinkturen aus Pflanzen, die mit Metallsalzen gedüngt wurden ( vegetabilisierte Metalle ).
Die Gesichtspunkte für die Wahl der Rohstoffe der anthroposophischen Arzneimittel, ihre Herstellungsverfahren sowie die Auswahl im Hinblick auf bestimmte Krankheiten gehen ursprünglich zurück auf Arbeiten von Rudolf Steiner und Dr. Ita Wegman. Seitdem hat sich die Anthroposophie methodisch und inhaltlich weltweit weiterentwickelt. Heute gibt es 22 Hersteller von anthroposophischen Arzneimitteln in 21 Ländern. In Deutschland sind dies die Firmen 

 

Praxis und Forschung

In anthroposophisch orientierten Krankenhäusern gibt es Forschungsabteilungen, es existieren seit langem aktive, international anerkannte Forschungsinstitute. Das anthroposophische Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke war die Keimzelle der ersten privaten, deutschen, staatlich anerkannten Universität. Anthroposophische Mediziner koordinierten für die Bundesregierung die Forschungsförderprogramme "Unkonventionelle Medizinische Richtungen".
Die vielfältigen Einrichtungen widerlegen den Vorwurf, anthroposophisch erweiterte Medizin entziehe sich der wissenschaftlichen Forschung. Im Gegenteil: Nie wurden so viele Studien und Projekte initiiert wie heute – es sind Untersuchungen, die dem individual-ethischen Ansatz der Weltärzte-Deklaration von Helsinki folgen. Wissenschaftliche Studien ergaben, dass es mittlerweile nachvollziehbare Ergebnisse anthroposophischer Medizin am Beispiel der Misteltherapie gegen die Krebserkrankung gibt.

 

Quellen: Klaus B. Harms, freier Journalist, Stuttgart 
Medizinische Sektion der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft am Goetheanum, Dornach, Schweiz 

Astrid Köthe, ehemalige Apothekerin der Heide-Apotheke